Alexandra Romanowa – Die letzte Zarin

Das Buch erschien als 4. Auflage im Februar 2011. Die englische Originalausgabe erschien bereits 2003 unter dem Titel „Alexandra. The Last Tsarina“ bei St. Martin’s Press. Das Buch hat 419 zzgl. der Verweise und Stammbäume. Die Autorin Carolly Erickson ist promovierte Historikerin und wurde in Los Angeles geboren. Sie hat sich auf Romane über historische Frauengestalten spezialisiert. So erschienen von ihr neben der Biographie über Zarin Alexandra auch Bücher über Zarin Katharina die Große und über Königin Victoria von England.

 

Zarin Alexandra Feodorowna wurde 1972 als Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt geboren. Ihre Mutter Alice war die Tochter von Königin Victoria, verstarb aber sehr früh. Die ganze Familie litt an Diphterie. Alice pflegte sie alle aufopferungsvoll, erkrankte dann aber schließlich selbst an der Krankheit und hatte nicht mehr genug Kraft um gesund zu werden. Sie starb genau am gleichen Tag wie ihr Vater Prinz Albert von Sachsen Coburg-Gotha einige Jahre zuvor. Alix wandelte sich nach dem Tod der Mutter von einem sehr fröhlichen Kind, das von allen Sunny genannt wurde, in ein sehr melancholisches, schüchternes und sehr stilles Kind. Kurz nach dem Tod der Mutter kam es beim Spielen im Garten zu einem Unfall und Alix behielt eine Verletzung an den Beinen zurück. Sie sollte ihr restliches Leben lang immer Schmerzen in den Beinen haben. So musste das kleine Mädchen nicht nur den Verlust der Mutter in diesem Jahr hinnehmen, sondern auch einen Teil seiner Gesundheit einbüßen. Nicht nur Alice starb an Diphterie. Auch die kleinste Schwester May starb daran. Ein paar Jahre vorher war bereits Alix Bruder Frittie (Friedrich) an der Bluterkrankheit gestorben. Er fiel aus einem Fenster und erlitt so starke Blutungen, dass ihm nicht mehr geholfen werden konnte. All das spielt in ihrem späteren Leben eine Rolle.

 

Königin Victoria wollte sichergehen, dass die restlichen Kinder ihrer Tochter Alice eine gute Erziehung genossen. Ihrem Schwiegersohn Ludwig von Hessen-Darmstadt traute sie nicht viel zu und schickte daher eine englische Gouvernante, welche die Kinder so erzog, dass sie Schwächen nicht öffentlich zugeben sollten. Außerdem erzog sie die Kinder zur Demut. Als Alix zwölf Jahre alt war, heiratete ihre ältere Schwester Elisabeth (von allen nur Ella) genannt den russischen Großfürsten Sergej. Bei der Hochzeitsfeier in Russland traf Alix auf die gesamte Romanowfamilie. Darunter auch auf den sechzehnjährigen Thronerben – Zarewitsch Nikolaus Alexandrowitsch. Er verliebte sich sofort in das schöne, junge Mädchen und schenkte ihr sogar ein Schmuckstück, was sie aber schüchtern am nächsten Tag zurückgab. Er fasste den festen Vorsatz sie eines Tages zu heiraten. Sie war durch die Heirat und die Erlebnisse in Russland so begeistert, dass sie später lauter Brautkleider in ihr Tagebuch malte. Nikolaus Eltern waren von der Aussicht eine deutsche Prinzessin als nächste Zarin zu bekommen nicht so erbaut und verordnetem den Zarewitsch erst einmal eine Auslandreise, die ihn nach Asien führte. Er sollte Alix vergessen. Auch verschiedene Ballerinas wurden mit ihm verkuppelt.

 

Doch Nikolaus vergaß Alix nicht. Jahre später setzte er seine Eltern so unter Druck, dass sie schließlich nachgaben und der Heirat mit Alix zustimmten. Auch Alix liebte Nikolaus. Doch sie hatte ein großes Problem. Wenn sie ihn heiraten würde, müsste sie ihre Konfession ändern. Alle russischen Zarinnen mussten auch den russisch orthodoxen Glauben annehmen. Doch sie war überzeugte Protestantin. Schließlich wurde sie mit einer Art Trick von ihrer Schwester Ella überzeugt. Sie sollte ihre protestantischen Glauben nicht ablegen, sondern den russisch orthodoxen einfach zusätzlich annehmen. Also stand einer Heirat jetzt nichts mehr im Weg. Zar Alexander III. wurde zu diesem Zeitpunkt aber sehr krank. Nikolaus holte Alix deswegen schnell nach Russland. Doch der Zar starb schnell. Ab der Heirat musste schwarz getragen werden. Nikolaus wollte nicht noch länger auf die Heirat warten und so musste Alix auch bei ihrer Hochzeit schwarz anziehen. Für das Volk war das aber ein Zeichen und zwar ein Schlechtes. Sie war ab jetzt als die Braut in Schwarz verschrien. Bei der Hochzeitsfeier und der Krönung von Nikolaus und Alexandra zum Zaren und zur Zarin kam es immer wieder zu Unglücken bei der Bevölkerung. Meistens waren es nur Fehlinformationen. So sprach sich herum, dass Geschenke, welche die Bevölkerung bekommen sollten nicht für die Massen reichen würden. Beim Einlass zur Festwiese entstand eine Massenhysterie und viele Menschen wurden geradezu tot gequetscht.

 

1895 brachte Alexandra die erste Tochter zur Welt. Sie erhielt den Namen Olga. Dann war sie wieder schwanger und man hoffte, dass es ein Thronfolger werden würde. Doch Alexandra erlitt eine Fehlgeburt. Es wäre tatsächlich ein Sohn gewesen. 1897 kam als zweite Tochter Tatjana zur Welt. 1899 und 1901 folgten die Töchter Maria und Anastasia. Inzwischen glaubte man, dass Alexandra unfähig wäre einen Thronfolger zur Welt zu bringen. Es belastete sie stark. Auch das schlechte Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter machte ihre Lage am russischen Hof nicht besser. Sie und Nikolaus versuchten über den mystischen Weg an ein männliches Kind heranzukommen. So wurden verschiedene heilige Männer aufgesucht. Sie badete sogar in einem Wasserloch um schwanger zu werden. 1904 schließlich kam der lang ersehnte Zarewitsch Alexej zur Welt. Schon wenige Wochen nach der Geburt stellten die Ärzte allerdings fest, dass das Kind, wie viele männliche Nachkommen von Königin Victoria an der genetisch vererbten Bluterkrankheit litt. Von nun an war Alexandra panisch um ihr Kind besorgt. Es durfte nicht spielen wie andere Kinder, da der kleinste Stoß eine innere Blutung und den Tod bedeuten konnte. Alexandra wurde auch immer noch von ihren schmerzenden Beinen geplagt und musste oft tagelang liegen. Dazu kamen eine Herzschwäche und Migräneanfälle. Sie konnte nicht an Festen teilnehmen und die inzwischen größer gewordenen Töchter übernahmen immer mehr offizielle Pflichten. Dadurch kam aber auch die Stimmung im Volk auf, dass Alexandra sich nicht fürs Volk interessiere.

 

Eines Tages lernte sie den Starez Rasputin kennen. Von ihm sagte man, dass er allein durch seine Anwesenheit den Blutfluss einer Person beeinflussen konnte. Tatsächlich war eine sehr charismatische Persönlichkeit, der den Zaren und die Zarin allein durch seine Reden beruhigen konnte. Was für Alexandra aber am Wichtigsten war: Er konnte entstandene Blutungen bei Alexej stillen und rettete dem Jungen ein paar Mal das Leben. Von da an war Rasputin ein Freund der Beiden und ihm wurde vertraut. Er konnte nichts Böses tun. Jede schlechte Nachricht über ihn wurde als Lüge aufgefasst. Die restliche Romanowfamilie hielt Alexandra für verrückt, weil sie ihm vertraute. Sie wussten auch nichts von der unheilbaren Krankheit des Zarewitschs, die Alexandra tief belastete. Rasputin konnte ihr etwas von ihrer Angst nehmen. Die Familie wechselte immer von Zarskoje Selo, St. Petersburg und Livadia auf der Krim hin und her. Ab und zu fuhren sie auch mit ihrer Yacht nach Finnland auf Urlaub oder nach Polen. Eine erstaunliche Begebenheit ereignete sich an Bord der Yacht Standart. Sie wurde zu nah an die Felsen gesteuert und drohte zu sinken. Während Nikolaus minutiös beobachtete wie das Schiff immer mehr sank, aber nichts Weiteres unternahm, befehligte Alexandra die Rettung der Besatzung und ihrer Familie. Sie nahm ihre Hofdamen, packte alle Wertvolle wie die Ikonen und auch Bettzeug in Decken und ließ die Rettungsboote wassern. Bei solchen Gelegenheiten bewies sie eine schnelle Reaktion, die man ihr nie in normalen Situationen zugetraut hätte. Sie war durchdachter als ihr Mann.

 

1914 brach der Krieg aus. Während es immer mehr im Volk brodelte und es auch zu Streiks unter den Arbeitern kam, war auf einmal wieder eine Einheit zwischen dem Zaren und seinem Volk zu spüren. Anfangs befehligte Nikolaus Onkel die Truppen. Später übernahm er selbst das Kommando. Es waren schreckliche Wochen für Alexandra, die vorher nie so lange von ihm getrennt war. Sie stürzte sich in neue Aufgaben. Zusammen mit ihren ältesten Töchtern Olga und Tatjana absolvierte sie eine Krankenschwesterausbildung, pflegte verletzte Soldaten, richtete Hospitäler im ganzen Land ein und nähte und strickte Kleidung für die Soldaten an der Front. Es schien als habe ihr das Leid um sie herum ihr neue Kraft gegeben. Doch statt ihre guten Taten zu sehen, hielt sie das Volk für eine deutsche Spionin. Schließlich brach Lebensmittelknappheit aus. Die Truppen hatten keine Munition mehr und kämpften mit Säbeln und Mistgabeln gegen den Feind. Die Lage wurde immer bedrohlicher. Alexandra versuchte durch das Entlassen von Ministern die Lage zu beherrschen. Doch sie setzte andere Männer auf Empfehlung von Rasputin ein, die nicht fähig waren. Schließlicht wurde Rasputin 1916 umgebracht. Vor seinem Tod sprach er noch eine Warnung aus. Nicht ein Jahr sollte vergehen und die Zarenfamilie würde ihm folgen.

 

Anfang 1917 wurde Zar Nikolaus II. zur Abdankung gezwungen. Alexandra war immer noch in St. Petersburg. Die Soldaten hatten sich der Bevölkerung angeschlossen. Sie war nicht mehr sicher im Palast. Eine provisorische Regierung wurde gebildet, die die Lage etwas mehr im Griff hatte. Die Großfürstinnen Olga, Tatjana, Maria, Anastasia und auch der Zarewitsch Alexej litten während dieser Zeit an den Masern. Auch um sie musste sich Alexandra kümmern. Schließlich ergriff Lenin die Macht. Die Zarenfamilie wurde vorher schon nach Tobolsk in Sibirien gebracht. Doch sollten sie sicherer sein. Es wurde ihnen immer noch Hoffnung gemacht, dass sie Russland verlassen könnten. Allgemein wurde angenommen, dass sie nach England reisen könnte, wo Alexandra Verwandte hatte. Doch der englische König wollte die Zarenfamilie nicht aufnehmen, weil er Angst hatte, dass die Revolution auch auf sein Land übergehen könnte. Es kam zum Bürgerkrieg in Russland. Die roten Bolschewisten waren auf der Seite der Kommunisten, die Weißen waren Zarentreue, die Nikolaus wieder auf den Thron zurück bringen wollten. Schließlich wurde die Zarenfamilie nach Jekaterinburg in den Ural gebracht. Ursprünglich sollten sie über Umwege nach Moskau gebracht werden, doch der Zug wurde umgeleitet und landete in Jekaterinburg. Die Familie wurde von den Soldaten immer schlechter behandelt. Sie durften die Zimmertüren nicht mehr abschließen, hatten nur noch rationiertes Essen, die Juwelen wurden ihnen abgenommen. Am 17. Juli 1918 kam schließlich der Befehl für die Erschießung der gesamten Familie. Von der Heirat bis zu ihrem Todestag sind sich alle Quellen einig, dass Nikolaus und Alexandra sich geliebt hatten. Sie hatten ein sehr inniges Familienleben. Als Nachwort wird von der Autorin noch erwähnt, dass 1998 die 1991 im Wald von Jekaterinburg gefundenen Skelette der Familie in der Peter-und-Pauls-Festung in St. Petersburg beigesetzt wurden. Dort sind auch die anderen Zaren beerdigt.