Ich habe mich für die Taschenbuchausgabe aus dem Jahr 2008 entschieden. Sie erschien beim Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH. Die Originalausgabe ist schon aus dem Jahr 1952 und erschien ursprünglich beim Herder Verlag in Freiburg. Ursula Bruns wurde 1922 geboren und ist nicht nur deutsche Autorin, sondern auch Pferdesachverständige und Mitbegründerin und erste Schriftführerin des Deutschen Pony-Klubs. Neben dem Buch „Dick und Dalli und die Ponys“ verfasste sie ca. 40 weitere Werke, darunter auch das Buch „13 alte Esel“ das ebenfalls verfilmt wurde. Leider wurden ihre Werke im Film immer in verfälschter Weise wiedergegeben. Mit Prof. Inge Behr (einer Erwachsenenpädagogin) entwickelte sie eine Art „Grundschule des Reitens“, die so genannte BB-Methode (Bruns/Behr-Methode). Es handelt sich hier um ein Ausbildungskonzept für Reiter und Pferd. Ursula Bruns gehört zu den Pionieren der Offenstallhaltung für Pferde. In Deutschland hat sie das Freizeitreiten mitgeprägt. Heute lebt Ursula Bruns in Spanien und reitet nach wie vor jeden Tag. 2005 erhielt sie die „Goldene Nadel mit Brillanten“ des Islandpferde-Reiter- und Züchterverbandes.

 

Dick und Dalli (eigentlich Barbara und Brigitte) wohnen bei Oma Jantzen und Tante Mathilde (nur Thilde genannt) auf dem Immenhof. So reich sind die Jantzen’s nicht und so müssen die beiden Mädels die Ponys ziemlich selbstständig versorgen, während ein Knecht sich mehr um die Instandhaltung des Hofes kümmert. Das bedeutet für Dick und Dalli: Morgens früh raus und erst einmal die Ponys im Stall und auf der Weide mit Futter versorgen bevor es in die schule geht. Aber den Beiden macht das irrsinnig viel Spaß.

Da kündigt sich Besuch an. Ethelbert, ein Cousin aus der Stadt, soll auf den Immenhof kommen. Für Dick und Dalli ist es sofort klar, wer so einen nordischen Namen hat, muss ein Wikinger sein. Sie sind schon sehr gespannt. Wollen sie doch selbst Wikinger werden und schlafen daher im tiefsten Winter bei offenem Fenster um sich abzuhärten. Doch die Enttäuschung ist groß als Ethelbert am Bahnhof ankommt. Ein verweichlichtes Bürschchen steigt aus. In Kamelhaarmantel, mit Seidenschal und so gar nicht groß und stark, sondern eher klein und schwächlich. Und ein ganzes Arsenal von Medikamenten hat er dabei, weil er gegen alles allergisch ist. Das alles wäre ja nicht so schlimm. Aber er kann noch nicht mal reiten! 

Ethelbert muss schließlich lernen das es besser ist wahre Freundschaft zu pflegen als immer nur auf den eigenen Vorteil zu schauen. Als ein Fohlen von einem Hund angegriffen wird und beinahe stirbt, begreift er, dass Geld nicht alles ist und ab da entwickelt er sich langsam auch wirklich zu einem echten Freund für Dick und Dalli.

 

Wer kennt die Geschichte aus den Immenhof-Kultfilmen nicht? Die fröhliche Kinderschar die mit den bunt gefleckten Ponys über die Felder reitet und wunderbare Zeiten auf dem Immenhof verbringt. Ein paar Liebes- und Geldprobleme werden gelöst und am Ende ist alles gut. Doch das Originalbuch ist ganz anders als die Geschichten aus den Filmen. Da gibt es keine Liebelei zwischen Dick und Ethelbert und auch das Leben auf dem Immenhof ist ganz anders im Buch. Da sind keine goldgelben Felder. Es ist tiefster Winter und die Mädels müssen sich schwer anstrengen um alle Ponys richtig zu versorgen. Der Winter erklärt meiner Meinung nach auch warum Ethelbert andauernd mit Schwitzpackungen ins Bett muss. Er bleibt auch nicht nur über die Ferien, sondern verbringt ein ganzes Jahr auf Immenhof. Während der Ethelbert im Film ja noch so einigermaßen erträglich ist und sich auch relativ schnell anpasst, ist das Original ein richtiges Ekel. Er bildet sich etwas darauf ein dass er aus der Stadt kommt. Keiner auf Immenhof nimmt seine Gefühle war. Zu Hause musste er nur einmal niesen und schon stand alles parat. Hier muss er aufpassen. Wenn er niest, steht Großmutter Jantzen schon mit dem Lebertran bereit und tut alles um ihn abzuhärten. Doch nicht nur mit seiner Gesundheit gibt es Probleme. Er kann sich auch nicht anpassen und muss fast über das ganze Buch lernen wie man ein wahrer Freund wird und das Geld nicht alles ist. 

Die einzige Liebesgeschichte entsteht zwischen Major von Roth, der ein Gestüt und eine Reitschule betreibt und Tante Thilde. Doch das wird nur am Rande erwähnt. Die Hauptgeschichte dreht sich um Dick und Dalli, die trotz ihrer Jugend schon sehr belastbar sind und die Ponys ziemlich alleine versorgen und trotzdem noch genügend Zeit zum Kindsein haben. Immerhin sind sie ja erst 10 und 13 Jahre alt. Die meiste Zeit hängen die Beiden mit ihrem gemeinsamen Freund Mans zusammen und hecken Streiche aus. Besonders hat es ihnen die Reitschule von Major von Roth angetan. Da boykottieren sie regelmäßig die Reitstunden und Feste. Was Ursula Bruns sehr schön beschreibt ist die richtige Haltung von Ponys und Pferden. Ponys sind so abgehärtet das sie nicht unbedingt im Stall stehen müssen. Für sie ist es wichtiger im Freien zu sein um gesund zu bleiben, während Pferde nicht ganz so robust sind und über Winter in den Stall müssen. Mit dieser Einstellung war Ursula Bruns beim Schreiben des Buches vielen Pferdehaltern in Deutschland weit voraus.

Im ersten Moment war ich persönlich von der Geschichte enttäuscht. Sie entsprach so gar nicht diesem langjährigen Bild vom Immenhof das ich mir bei den Filmen gemacht hatte. Aber ganz ehrlich gesagt: Am Ende des Buches hat sich das total gewandelt und ich finde es wirklich schade, das man die Geschichte in den Filmen so stark abgewandelt hat. Die Personen im Buch sind noch viel sympathischer als im Film. Auch die ganze Geschichte ist sehr viel glaubwürdiger geschrieben. Die Landschaft wird eindrucksvoll geschildert und man kann sich richtig in die einzelnen Szenen hineinversetzen.

Insgesamt finde ich das Buch sehr lehrreich für Kinder. Sie lernen etwas über Freundschaft, wie wichtig ein gutes Verhältnis von Geben und Neben ist. Das man aufeinander zu gehen sollte, auch wenn es im ersten Moment so aussieht als wäre das Gegenüber ein totales Ekel. Man lernt, dass es in manchen Situation besser ist ein klärendes Gespräch zu führen und man so eine Sache von einem anderen Gesichtspunkt aus sehen kann. Außerdem zeigt ihnen das Buch auch, dass Kinder Verantwortung übernehmen können, es aber auch gleichzeitig viel Spaß für sie bedeuten kann.Das Buch ist sehr schön gestaltet. Die Buchstaben sind in einer nicht zu großen Schrift abgedruckt und die Wörter sind nicht so auf die Seiten gequetscht. Dadurch kann man es sehr bequem lesen. In jedem Kapitel gibt es eine Schwarzweiß-Zeichnung von den Kindern und ihren Ponys, die sehr liebevoll gestaltet ist. Jedes Kapitel ist nicht zu lang, so dass man sich das Lesen des Buches schön einteilen kann. Den Preis fand ich auch nicht zu hoch. Die ganze Geschichte ist sehr kurzweilig beschrieben und lässt sich sehr gut lesen.

Ich kann dieses Buch wirklich sehr empfehlen. Zunächst ist es sehr schön zu lesen und vermittelt viel Lebensfreude. Zum anderen enthält es wirklich viele Aspekte aus denen Kinder etwas Nützliches lernen können. Auch für Erwachsene ist es durchaus lesenswert. Aber vor allem ist es ein schönes Kinderbuch. Die einzelnen Kapitel lassen sich auch sehr gut als Gute-Nacht-Geschichte verwenden.