Mängelexemplar

Ich wusste erst nicht, um was es geht in diesem Buch, ich hatte es nur in der Bücherei gesehen und dachte, oh, da wollte ich doch auch mal lesen. Gesagt, getan und das Buch ist eine Wucht. Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema Depression, aber niemand konnte es mir so annähernd gut erläutern wie dieses Buch. Es ist so einfühlsam geschrieben und auch so die Art, wie Karo es plastisch erscheinen lässt, warum sie keine Lust hat, eine Tasche heut zu Ende zu packen oder warum sie ihren Gefühlen nicht trauen kann. Echt Wahnsinn, ich war richtig berührt von diesen Buch.

Karo hat einen Freund und irgendwas ist anders als sonst, denn sie werden gar nicht mehr richtig warm miteinander, irgendwie haben sie sich auseinandergelebt. Denn Karo ist nur noch schlecht drauf, aber R. will sie auch nicht verstehen. Dann trennt sie sich kurzerhand von ihm und ist auch die ersten Tage ganz glücklich ohne ihn, aber dann denkt sie, sie kann es ohne ihn gar nicht aushalten. Aber dann meldet sie sich spontan bei einer Psychotherapeutin an, Annette und die erklärt ihr einiges, nämlich dass sie depressiv ist, aber nicht zu viel von sich verlangen darf. Aber noch nicht so eine richtige Depression, sondern erst mal nur eine depressive Verstimmung.  Die beiden kommen auch ganz gut klar miteinander, die Woche geht Karo einmal zur Therapie. Nebenher geht sie auch noch zu einer Ärztin, Dr. Kleve, die ihr Antidepressiva gibt und erst einmal fühlt sich Karo damit stark, denn ihre schlechten Gedanken sind erst mal verschwunden. Aber sie hat noch einiges aufzuwerten in ihren leben, denn sie wurde von ihren Onkel missbraucht, die Eltern haben sich getrennt und früher wurde sie geschlagen von ihren Vater und ihre Mutter hat sie gar nicht ernst genommen und sie auch nur angeschrien. Mittlerweile hat sie aber ein relativ gutes Verhältnis zu ihren Vater, sie telefonieren sehr oft und jetzt zieht sie sogar zu  ihrer Mutter, denn die nimmt sie kurzerhand auf. Denn arbeiten kann Karo auch nicht, denn sie war kurz vor ihrer Depression arbeitslos. Dann hat sie noch einen richtigen guten Freund Nelson, der nimmt ihr nie etwas krumm und ist auch immer für sie da, seine Frau ist da auch sehr nett und lässt Nelson jede Freiheit, denn er ist Verkäufer im Fernsehen. Jedenfalls wird es jetzt immer offensichtlicher, das Karo nicht Herrin ihrer Sinne ist, denn sie weint, ist desorientiert und völlig labil. Ihre Mutter versucht sie immer wieder hinaus zu ziehen aus diesem Sumpf, aber es klappt nicht. Denn am Anfang ist Karo sehr optimistisch, denn nach 3 Tagen bei der Mutter zieht sie wieder in ihre eigene Wohnung und scheitert gleich wieder nach der ersten Nacht, sie ist schon wieder total kopflos. Zwischendurch immer große Schritte wieder in die andere Richtung, nämlich dauernd zu Annette, die ihr immer wieder sagt, das es doch eigentlich ganz gut läuft, das sie aber nicht zu viel von sich erwarten sollte. Dann hat Karo wieder ein Hoch, sie geht das erste Mal wieder aus, Nelson nimmt sie mit zu einer Party vom Fernsehen und da unterhält sie sich auch mit David, der nimmt auch Antidepressiva und die ersten Tage sind auch sehr gut, sie haben viel Sex miteinander, aber zu mehr haben beide keine richtige Lust. Sie lassen es langsam wieder auslaufen und damit ist Karo auch eigentlich glücklich, denn Nelson und auch Annette sagen, dass man manchmal einen Zwischentyp braucht, um wieder auf die richtige Spur zu kommen.

Jetzt fühlt sich Karo eigentlich wieder ganz gut, sie ist auch wieder in ihrer eigenen Wohnung und fühlt sich eigentlich richtig wohl und damals die Ärztin hat ja gesagt, sie soll die Antidepressiva nur ein halbes Jahr nehmen, noch nimmt sie sie aber. Und dann gibt es wieder ein Ruck in die richtige Richtung, denn von ihrer Firma bekommt sie wieder ein Angebot, sie soll ein Kinderfest mit Max organisieren für das Fernsehen. Obwohl sie damals von der Firma auf die Straße gesetzt wurde, nimmt sie es jetzt wieder an. Sie organisieren und auch mit Max versteht sie sich gut. Eines Tages erzählt ihr Max, dass seine Freundin sich getrennt hat von ihm und sie kommen sich näher und eines Tages passiert es, sie landen in der Kiste. Und es geht auch eine Weile richtig gut, denn beide wissen, wie verkorkst der einzeln ist. Aber dann bekommt Karo immer wieder einen Rückfall, denn sie ist zu glücklich, das kann doch gar nicht sein, da muss es doch einen Haken geben. Max hat dann eine Reise für sie gebucht, aber am Tag, als Karo ihre Tasche packt, bekommt sie wieder Panikanfälle, warum nur? Sie hatte ja kurz vorher auch ihre Tabletten weg gelassen und das ist jetzt die Revanche dafür. Oder? Jedenfalls fährt sie zu Max und der will ihr helfen, wenn sie noch nicht so weit ist, können  sie auch da bleiben, aber Karo macht einen Termin mit ihren Psychiater, der ein Nachfolger von ihrer ist, denn die war ja schwanger damals. Jedenfalls erklärt er ihr, dass das alles gar nicht so schlimm ist, sie soll die Tabletten weiternehmen, denn andere nehmen ja auch andere Medikament immer und ständig. Und sie soll nicht so viel grübelnd, was ihre Psyche wohl dazu sagt und was sie sich sonst so im Kopf ausmalt, sie soll einfach glücklich sein und den Kopf mal einfach nichts denken lassen. Dann ist Karo schon ein Stück wieder bei den Gesunden angekommen, dann hat sie noch Termin bei Annette, die gibz ihr noch Tropfen gegen die Panik und danach ist sich Karo sicher, sie fliegen in den Kurzurlaub und so machen sie es auch. Und damit ist sie wieder ein Stück weiter und leider endet damit dieses Buch.

Aber ich kann es nur noch mal sagen, dieses Buch ist der Hammer, es ist so gefühlvoll geschrieben, immer so diese Zwiesprache von Karo mit ihren Kopf und ihrer Psyche, das ist echt toll, so habe ich das noch nie gesehen. Ich bin jedenfalls jetzt ein Stück weiter, ich glaub, ich kann jetzt Menschen mit Depressionen ein wenig besser verstehen, warum sie manches so machen und trotzdem sich nicht aufrappeln können. Das sit zwar kein wissenschaftliches Buch mit Beispielen und anerkannten Thesen, aber trotzdem hat es mich weiter gebracht dieses Buch. Ich hoffe, es war nicht nur ein Buch von Sarah Kuttner, ich hoffe, ich kann wieder mal was von ihr lesen. Beeindruckend!

Ein Zitat, was ich toll finde: „ Die Psyche ist so viel komplizierter als eine schöne Fraktur des Schädels!“