Um "Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra" zu schreiben hat sich der italienische Autor Roberto Saviano in höchste Lebensgefahr gebracht. Nicht nur das er in seinem gefeierten Bestseller präzise die Verbindungen zwischen der neapolitanischen Mafia, der Wirtschaft und Politik dokumentiert, auch schlich er sich selbst Undercover für mehrere Monate in das Milliarden schwere System der Camorra ein um Informationen nicht nur von Hörensagen zu bekommen, sondern am eigenen Leibe zu erfahren wie die Mafia arbeitet.
Geschrieben ist "Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra" wie ein fiktiver Mafiakrimi. Saviano, der aufgrund mehrerer Morddrohungen gegen seine Person mittlerweile untergetaucht ist und nur noch selten in der Öffentlichkeit auftritt, gelingt es von Beginn an eine ungemeine Spannung aufzubauen und seine Reise in das Reich der neapolitanischen Mafia wie einen spannende Thriller zu inszenieren. Dabei wechselt er immer wieder zwischen erschütternden Erlebnisberichten und Aufführungen von allgemein bekannten Fakten und Zahlen. Erschütternd ist vor allem die Erkenntnis, wie weit die Mafia bereits ihre Hände in den Wurzeln der italienischen Gesellschaft verankert hat. Und nicht nur in diese. Denn das Netz der Camorra umfasst mittlerweile weit mehr als nur Südeuropa, sondern auch Nordeuropa, Asien und Nordamerika. So erzählt Saviano etwa die Geschichte eines neapolitanischen Schneiderers, welcher im Auftrag der Mafia Markenprodukte fälscht und sogar für prominente Designer Stücke herstellt. Tatsächlich war der gleiche Schneiderer für eines der Kleider von Angelina Jolie verantwortlich, welche diese bei einer Oscarverleihung getragen hat. Beispiele wie diese, zeigen wie weit sich das Geschwür der Camorra bereits ausgeweitet hat.
Das einzige, was man Saviano ankreiden könnte, ist der Umstand, das sein Buch manchmal mit den vielen Namen verwirrt, das man sie zumindest als Nicht-Italiener bzw. mit relativ wenigen Hintergrundkenntnissen nur schwer in einen Kontext bringen kann. Aber darüber kann man gut und gerne hinwegsehen, denn unterm Strich informiert "Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra" doch sehr umfangreich und sachlich und zeigt auf, wie die Mechanismen der Mafia funktionieren, ohne dabei zu einem trockenen Sachwerk über das organisierte Verbrechen zu verkommen.
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