Was sich ältere Generationen nicht vorstellen konnten ist heute Alltag: Die Kommunikation über das Internet. Da werden fleißig Anfragen gesendet, Neuigkeiten ausgetauscht, Verabredungen getroffen - kaum einer, dem das nicht geläufig ist. Warum nicht also mit einer scheinbar ungewöhnlichen Idee daherkommen, die bei genauer Betrachtung so fern von der Realität gar nicht liegt?
Emmi Rothner will eigentlich nur eines: Endlich das Abonnement der Zeitschrift "Like" kündigen. Die entprechende Email aber landet, bedingt durch einen Tippfehler, im virtuellen Postkasten von Leo Leike, der mit der Zeitschrift rein gar nichts zu tun hat. Deshalb sieht er auch nicht ein, auf die Post zu reagieren - was eine Beschwerde Emmis kurze Zeit darauf nach sich zieht. Nun legt er die Verwechslung Emmi höflichst dar - und das war er auch schon, der erste Kontakt. Im Grunde genommen hätte das Buch an dieser Stelle zu Ende sein können, ohne dass sich jemals Spannung hätte aufbauen können. Nicht aber mit Daniel Glattauer, der seine weibliche Hauptperson neun Monate später erneut eine Email senden lässt: Es ist ein freundlicher, wenn auch unpersönlicher Weihnachtsgruß. Leo, wenig begeistert, beschwert sich nun seinerseits darüber, in einem Verteiler für Massenmails gelandet zu sein - und erntet dafür eine Eintschuldigung. Seine Adresse sei in ihrer Kundenkartei gelandet. Frohe Weihnachten!
Es ist der Auftakt einer Kommunikation, die ihresgleichen sucht. Emmi und Leo schreiben einander immer öfter, lernen sich Stück für Stück und doch nur auszugsweise kennen. Emmi, nach eigenen Angaben glücklich verheiratete Webdesignerin mit zwei Kindern, die nicht ihre eigenen sind. Leo, lange der Exfreundin verbunden, Assistent für Sprachpsychologie und Kommunikationsberater. Beiden ist völlig klar, dass sich aus dem Kontakt lediglich eine Freundschaft entwickeln kann und soll. Was dann kommt, ist fast schon voraussehbar: Der Kontakt vertieft sich, eine Form von Vertrautheit entsteht und das Bedürfnis, den anderen zu sehen, nimmt stetig zu. Es sollen nicht nur mehr die gemeinsamen Wein-Abende sein, nein, ein Treffen wird geplant. Das aber gestaltet sich deutlich schwieriger als erwartet. Die Sorge, dass die virtuelle Beziehung ihre Qualität verlieren möge, sobald man sich nur einmal im echten Leben gesehen hat, ist sehr präsent. Fotos wurden nie ausgetauscht, allerdings haben sowohl Leo als auch Emmi bestimmte Vorstellungen davon, wie der jeweils andere aussehen könnte. Die beiden beschließen nun, kein richtiges Treffen abzumachen - sondern sich lediglich zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufzuhalten. Ungewöhnlich und wohl auch mit Folgen: Während Leo drei Frauen nennt, die seiner Meinung nach Emmi hätten sein können, ist sich Emmi schnell sicher, den richtigen Leo gefunden zu haben. Und das animiert sie nicht eben gerade zu einem Höhenflug ...
Gerade wenn man denkt, hier hätte wieder ein Ende sein können, beginnt Glattauer seine Geschichte weiter zu weben. Emmis Freundin, Tonbandgeräte, Eifersucht - sie alle spielen eine wichtige Rolle. Am Ende erfährt Emmis Ehemann von dem Kontakt seiner Frau zu Leo. Er fürchtet um seine Ehe, schreibt selbst flehentliche Zeilen an den Konkurrenten - was diesen nicht besonders begeistert. Trotzdem soll ein erstes und letztes, ein richtiges Treffen stattfinden, bevor Leo in die Vereinigten Staaten geht. Und während Leo alles vorbereitet, entschließt sich Emmi dazu, einen Rückzieher zu machen - mit der Konsequenz, die einzige Chance verpasst zu haben: Leo ist weg.
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