Ich und die anderen: Roman Zusammenfassung

Familie , was ist das? Vermutlich verstehen die meisten unter diesem Begriff das selbe: Vater , Mutter, Kind - oder mehrere davon - Onkel, Tanten, und auch die Großeltern dürfen nicht fehlen. Ein bunt zusammengwürfelter, miteinander verbundener Haufen, Menschen mit unterschiedlichsten Interessen und Charakterzügen, jeder für sich etwas Besonderes. Auch Andrew Gage hat eine Familie. Diese Familie aber ist anders als das, was wir kennen, ja, sie ist auf besondere Weise besonders.

 

Gleich zu Beginn konfrontiert Andrew den Leser mit seiner Erschaffung: Im Alter von 26 Jahren wurde er nicht etwa geboren, sondern von seinem Vater aus dem See gerufen. Dies mag merkwürdig anmuten, ist aber durchaus erklärbar - multiple Persönlichkeitsstörung.  Andrew Gage ist lediglich eine von mehr als insgesamt 100 Seelen, die in Andy Gages Kopf leben. Andy Gage, der Körper, den sich die ungewöhnliche Gemeinschaft teilt, wurde 1965 geboren und noch in frühester Kindheit von seinem Vater ermordet. Nicht so, wie man es sich mit lebhafter Fantasie viellicht vorstellen mag, nein, Andy wurde "nur" stark misshandelt. Die Misshandlungen durch die eigentliche Vertrauensperson aber führten unweigerlich zum Tod der Seele, sie zersplitterte und wurde zu einer Gruppe von sieben Seelen. Eine davon war - beziehungsweise ist - Aaron, Andrews Vater. Diese Zersplitterung sollte, da die traumatischen Erlebnisse kein Ende nahmen, nicht die einzige bleiben. Wieder und wieder starben Seelen, wurden neue Abspaltungen hervorgerufen. Das Leben als solche Vielfalt von Persönlichkeiten war lange Zeit das reinste Chaos. Immer wieder übernahmen andere Seelen die Kontrolle über den Körper, was für den Rest der "Familie" lediglich als Blackout wahrgenommen wurde. Mit der Hilfe einer Psychologin aber gelang es Aaron, im Kopf eine Landschaft zu schaffen: Da gibt es den See, aus dem die neuen Seelen kommen, die Insel, auf die sein Bruder Gideon verbannt wird, da er beständig versucht, die Herrschaft über den Körper zu übernehmen, das Kürbisfeld für die toten Seelen - und das Haus. Es ist zweistöckig, im Erdgeschoss befindet sich ein großer Gemeinschaftsraum, im Obergeschoss eine Galerie, von der aus das Geschehen im Erdgeschoss begutachtet werden kann, sowie die Zimmer für die einzelnen Persönlichkeiten. Die Seelen lernen, sich wahrzunehmen, miteinander zu sprechen. Die Kontrolle über den Körper war eigentlich Aaron zugedacht gewesen, diesen aber hatte die Erschaffung der Landschaft so viel Kraft gekostet, dass er sich der Aufgabe nicht gewachsen war. Dies war der Grund dafür, dass Andrew ins Leben gerufen wurde.

 

Andrew meistert seine Aufgabe wunderbar, jede der Hauptpersönlichkeiten bekommt zu bestimmten Zeiten und zu bestimmten Anlässen den Körper überlassen und wird dadurch zufrieden gestellt. Bestes Beispiel hierfür ist vielleicht das Frühstück, bei dem sich der Magen eines empfindlichen Lesers durchaus umdrehen mag: Aufgrund der unterschiedlichen Vorlieben der Seelen nimmt der Körper eine merkwürdige Kombination von Lebensmitteln miteinander ein. Da gibt es zum Beispiel Honigpops für den fünfjährigen Jake, Kräutertee für Tante Sam, Seferis wiederum bevorzugt gesalzene Radieschen...

 

Andrew arbeitet in Julies Firma, ist dort sozusagen Mann für alles. Es wird klar, dass sich Andrew zu Julie hingezogen fühlt - sie aber scheint dies nur bedingt zu schätzen und lieber mit seinen Gefühlen zu spielen: Ist er im einen Augenblick lediglich ein guter Freund, lässt sie ihn im nächsten Moment nah an sich heran, bevor sie ihn dann wieder wegstößt... Julie weiß von den anderen Persönlichkeiten, die da in Andrews Körper hausen, und als sie eines Tages Penny kennenlernt, stellt sie die beiden in der Hoffnung, Andrew könne Penny helfen, einander vor. Penny nämlich leidet ebenfalls an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung, nur weiß sie davon noch nichts. Sie ist also in dem Zustand, den Aaron lange Zeit ertragen musste: Blackouts, aus denen sie immer wieder in unangenehmen Situationen erwacht. Beispielsweise bei wildfremden Männern im Bett. Penny kann sich das Ganze nicht erklären, sie gerät in Panik, hat keinerlei Selbstwertgefühl.

 

Obwohl Andrew zunächst nicht helfen möchte und über das Treffen mit Penny alles andere als begeistert ist, nimmt er sich ihrer schnell an. Grund dafür sind wohl auch die kleinen Hilferufe, die ihn immer wieder erreichen. Es gelingt ihm sogar, ein Treffen mit einer Psychologin zu arrangieren - von nun an erkennt Penny, dass sie nicht allein im Körper ist, dass andere Seelen existieren. Während sie also Fortschritte macht, läuft Andrews Leben plötzlich aus dem Ruder: Nach einem unglücklich verlaufenen Date mit Julie verliert er die Kontrolle über seinen Körper und das Abenteuer beginnt: Eine Reise in die Vergangenheit. Penny beginnt sofort mit der Verfolgung und nach einer kurzen Suche gelingt es ihr auch, ihren Freund ausfindig zu machen. Gemeinsam machen sie sich schließlich auf den Weg zu dem Ort, an dem Andy Gage seine Kindheit verbrachte. Hier erfährt der Leser nicht nur, welche Misshandlungen das Kind aushalten musste, sondern auch, dass Andy eigentlich eine Frau ist ... Das Buch endet damit, dass Andrew, der mittlerweile wieder die Kontrolle über seinen Körper zurück gewonnen hat, mit der Vergangenheit abschließen möchte.

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