Pascolini: Roman Zusammenfassung

In seinem satirischen Roman „Pascolini“ erzählt Maximilian Steinbeis eine Geschichte aus dem oberbayrischen Ettengrub, wo der Gastwirtssohn und Gangsterchef Matthias Pascolini durch sein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei mehr und mehr zur Legende wird – trotz der Spur gesellschaftlichen Verwüstung, die er auf dem Weg dorthin hinterlässt.

Erzählt wird die Geschichte über den in Ettengrub heldenhaft verehrten Matthias Pascolini, kurz Hias genannt, von Camilla Friedmann, die in Ettengrub aufwuchs, aber inzwischen als Strafverteidigerin in Düsseldorf arbeitet. Sie kennt Hias noch aus ihrer Jugend, hat der bayrischen Provinz aber nach dem Tod ihrer Familie den Rücken zugekehrt. Mit ihrer Schilderung der Ereignisse rund um den Aufstieg Hias bietet sie eine Gegenversion zu seinem wortgewandten und ihm ergebenen Biographen, dem Freiherrn von Ergoldsbach.

Hias ist Gastwirtssohn, seine Eltern unterhalten im Nachkriegsdeutschland eine Hütte am sagenumwobenen Teufelsschlupf. Als junger Mann gerät er in den Ruf eines Wilderers, weil er das vom marienverehrenden Förster Jakob Böhm erlegte Wild im Wirtshaus seiner Eltern auf den Tisch bringt. Gleichzeitig beginnt seine Karriere als Schmuggler, indem er in seinem Rucksack seltene Waren von Tirol nach Bayern auswandert. Bald schon weitet er diese Einnahmequelle aus, indem er eine Bande um sich schart und die Führung des Geschäfts mit der geschmuggelten Ware selbst übernimmt. Das bringt nicht nur mehr Geld, sondern auch den ausgiebigen Genuss des „weißen Pulvers“ mit sich.

Als Hias bei der Entdeckung seiner Machenschaften einen Polizisten umbringt, wird dieser Mord dem Habererbund, der zur altbayrisch-katholischen Partikularismusbewegung gehört, zugeschrieben. Dem Bund und seinen katholischen Anhängern gegenüber stehen die Protestanten, die sich in Ettengrub vor allem im örtlichen Tennisverein zusammenfinden. Zu ihnen gehört auch der Großunternehmer Heinz-Hubert Scholten, der in der Nähe der friedlichen Ortschaft ein Skiparadies errichten will.

Schon bald überschlagen sich auf grotesk unterhaltsame Weise die Ereignisse, die Polizei mit ihrem ambitionierten Kreiskommisar Eugen Kastenbauer kann nur machtlos zuschauen, Pascolini entkommt immer wieder auf glorreiche Weise, Katholiken kämpfen gegen Protestanten, kein Gesetz greift mehr. Alles läuft scheinbar ganz selbstverständlich und folgerichtig auf die Ungeheuerlichkeit eines Bürgerkrieges hinaus – mitten in der bayrischen Provinz.

Dieser amüsante Roman zieht den Leser schnell in die gesellschaftlichen und vor allem auch zwischenmenschlichen Verstrickungen in Ettengrub hinein und lässt ihn bis zum Ende nicht mehr los. Schließlich kann man sich nur verwundert fragen, wie ein scheinbar idyllisches oberbayrisches Dorf einen bösen Heiligen wie Pascolini hervorbringen kann. Die Antwort darauf gibt Maximilian Steinbeis gekonnt und wortgewandt.  

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