Ein Märchen der Gebrüder Grimm
***Rumpelstilzchen***
Es war einmal ein Müller, dieser war sehr arm, doch er hatte die schönste Tochter. Nun kam es, dass er eines Tages dem König über dem Weg lief. Um sich vor dem König zu behaupten sprach der Müller :,, Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“
Der König aber antwortete :,,Das ist etwas das mir sehr gut gefällt. Wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, so bring sie morgen in mein Schloß, da will ich sie auf die Probe stellen.“
Als nun das Mädchen zum König gebracht worden war, führte er es in eine Kammer, die über und über voll mit Stroh war. Er ließ ihr ein Spinnrad kommen und sprach: ,, Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold gesponnen hast, musst du sterben.“
Der König verschloß die Kammer und ließ die Müllerstochter alleine und ganz verzweifelt zurück. Sie saß und weinte und weinte.
Da ging auf einmal die Türe auf, und ein kleines Männchen kam herein und sagte zu der verzweifelten Müllerstochter:,,Guten Abend, Müllerstochter. Warum weinst du denn so sehr?“ ,,Ach“, sprach das Mädchen, ,,ich soll Stroh zu Gold spinnen und kann es doch überhaupt nicht.“
Das Männchen fragte :,, Was gibst du mir, wenn ich es dir zu Gold spinne?“
,,Mein goldenes Halsband“, antwortete das Mädchen. Das Männlein nahm das Halsband, versetzte die Müllerstochter in einen tiefen Schlaf und begann zu spinnen. Als sie wieder aufwachte, war das Männlein weg, aber auch das Stroh und stattdessen war überall nur Gold zu sehen.
Bei Sonnenaufgang kam schon der König, und als dieser das ganze Gold sah, freute er sich so sehr, doch sein Herz war noch viel goldgieriger. Er ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer mit noch mehr Stroh sperren und befahl ihr auch dieses Stroh in der Nacht zu Gold zu spinnen.
Das Mädchen wußte sich nicht zu helfen und begann wieder zu weinen. Wieder ging die Tür auf und das selbe kleine Männchen kam herein. ,,Was gibst du mir diesmal, wenn ich dir alles zu Gold spinne?“ fragte es . ,,Meinen Ring“, sagte die Müllerstochter.
Und das Männlein versetzte das Mädchen wieder in einen tiefen Schlaf und spann alles Stroh zu Gold.
Bis zum Morgen war wieder alles zu Gold gesponnen und natürlich freute sich der König, aber es war immer noch nicht genug. Er ließ die Müllerstochter in eine noch viel, viel größere Kammer bringen und versprach ihr, sie zu heiraten, wenn sie dieses Stroh auch zu Gold spinnen konnte.
Kaum war das Mädchen alleine, kam das kleine Männchen wieder. ,,Was gibst du mir wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?“
,,Ich habe nichts mehr.“ sprach das Mädchen. ,,So versprich mir, wenn du Königin wirst, dein erstgeborenes Kind.“
Die Müllerstochter wusste in ihrer Not keinen anderen Rat und versprach es dem Männlein, was es verlangte. Der König war mehr als erfreut und heiratete die Müllerstochter. Bald brachte diese ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das kleine Männchen. Da trat es plötzlich in ihre Kammer und sprach :,,Nun gib mir, was du mir versprochen hast!“ Doch die Königin fing so zu jammern an, daß das Männchen Mitleid mit ihr hatte. ,,Drei Tage will ich dir Zeit lassen um meinen Namen zu erraten, dann sollst du dein Kind behalten.“
Die ganze Nacht versuchte die Königin sich alle Namen aufzuschreiben die ihr einfielen und als nächsten Tag das Männchen kam, las sie ihm alle vor, doch keiner war dabei. Den zweiten Tag ließ die Königin in der Nachbarschaft herum fragen, schrieb wieder alle Namen auf, aber wieder war keiner passend, auch nicht Hammelswalde oder Schnürbein und auch nicht Rippenbiest. Am dritten Tag kam der Bote der Königin wieder zurück und erzählte ihr.
,,Neue Namen habe ich keinen finden können, aber im Wald sah ich ein kleines Haus und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein und schrie:,,Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind; Ach wie gut das niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“
Da kann man sich vorstellen wie froh die Königin war, als sie dies hörte. Als bald darauf das Männlein kam, sagte die Königin erst zu ihm:,, Heißt du Kunz?“-,,Nein!“,,Heißt du Heinz?“,,Nein!“,,Heißt du etwa Rumelstilzchen?“ Da stieß das Männlein vor Zorn mit dem rechten Fuß so tief in die Erde, daß es steckenblieb, dann packte es den linken Fuß und riß sich mitten inzwei!!!
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