Vorn: Roman Zusammenfassung

Andreas Bernard hat einen Roman geschrieben, der "Vorn" heißt und "jetzt" heißen müsste. Denn der Journalist beschreibt über 249 Seiten überwiegend seine Arbeit bei "jetzt": Die jetzige "junge website der Süddeutschen Zeitung" war bis vor wenigen Jahren ein gleichnamiges wöchentliches Heft, das der Tageszeitung beilag und sich höchst ambitioniert gab. Bernard schildert aber nicht nur die Usancen der festen und freien Mitarbeiter dieses Magazins.Tobias Lehnert, so heißt sein junger Protagonist in "Vorn", ist zunächst über die Maßen stolz, dass es ihm gelingt, in dem von ihm himmlisch verehrten Organ ein paar Zeilen unterzubringen. Er schwebt im siebten Journalistenhimmel, wenn seine Texte endlich gedruckt werden und wenn dann sogar die von ihm verehrten Stars und Edelfedern sich herablassen, sich mit ihm zu befassen. Wenn sie ihn in ihren Olymp in Münchens Mitte aufnehmen und sogar mitnehmen ins Schumann´s, die angesagte Bar für die vermeintliche intellektuelle Elite der Stadt. Sie brauchen dort natürlich nicht wie das Gemeine Volk um Sitze zu kämpfen, sie sind grundsätzlich privilegiert, bekommen selbstverständlich jede Art von Sonderbehandlung, und wenn so ein Schreiber vom "Vorn" "normale" Menschen kennenlernt oder gar anbaggert, hat er grundsätzlich beste Karten, adorierende Ehrfurcht ist ihm gewiss.Nur eine spielt da nicht so mit. Emily, Tobias´Freundin, arbeitet in einem Sozialprojekt, in dem auch er zuvor aktiv war, und hat so gar keinen Sinn für das affige Getue der Star-Journaille. Kein Wunder, dass Tobias empfänglich ist für die Gunst einer Kollegin, die schick und verwöhnt und sehr blond und sehr äußerlich und schon auch arrogant genau dem zeitgeistlich vorgeschriebenen Typ entspricht. Von der Frisur bis zum It-Bag kann sie alles vorweisen, was für den Auftritt als eine vom "Vorn" offenbar unabdingbar ist. Tobias zieht es mittlerweile ja auch vor, sich dort einzukleiden, wo die Selbstverliebten in der Mittagspause lässig zur überteuerten Markenklamotte greifen. Denn die Statussymbole werden zur Bedingung, will man zum Kreis dieser selbst erwählten Auserwählten zählen. Und wehe, irgendwelche Zeitgenossen ignorieren den Kodex. Die haben dann wohl wenig Chancen ernst genommen zu werden. Sie gelten als Exoten, so wie die modisch Uniformierten sich als Individualisten gerieren.Emily, die bodenständige Vertraute, kann es durchaus genießen, wenn Tobias wieder einmal aus der Redaktion Karten für die tollsten Events mitbringt. Doch seine Freunde, seine Kollegen: Das ist nicht ihre Welt. Wie Tobias das wohl sieht?

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