Anna Galvalda beschreibt in ihrem 2004 in Paris erschienenen Roman vier einsame und grundverschiedene Menschen, die das Schicksal zusammenführt und die sich mit der Zeit liebgewinnen: Das historische Genie Philibert, die magersüchtige Camille, den Koch Franck und dessen eigensinnige Großmutter Pauline.
Philibert, in einem Schloss geboren und von seinen Eltern gesiezt, hat das Staatsexamen in Geschichte, scheitert aber aufgrund seiner Prüfungsangst an der Aufnahmeprüfung an die École des Chartres. So verkauft er nun, seinem umfangreichen Wissen zum Trotz,
Postkarten in einem Museumsladen in Paris. Er bewohnt die opulente Wohnung seiner verstorbenen Großmutter, er soll bis zur Klärung von Erbstreitigkeiten aufpassen, dass sich dort keine unberechtigten Verwandten einnisten. Philibert stottert bei der kleinsten Gefühlsregung. Sein Mitbewohner heißt Franck, ist ein paar Jahre jünger als er und arbeitet als Koch. Er wächst bei seinen Großeltern auf, nachdem seine eigene Mutter, die ihn eigentlich abtreiben wollte, aber nicht genügend Geld für den Eingriff hatte, ablehnt ihn großzuziehen. Erst als er 11 Jahre alt ist, kümmert sie sich plötzlich kurzzeitig aus egoistischen Gründen um den Sohn, um ihn dann wieder fallenzulassen. Frank gebraucht gerne Kraftausdrücke, liebt Motorräder und Frauen und seine Großmutter Paulette.
Die etwas kauzig gewordene Paulette lebt alleine in ihrem kleinen Haus, es fällt ihr aber zunehmend schwer, im Alltag zurechtzukommen. Nachdem sie sich bei einem Sturz den Oberschenkel gebrochen hat, versucht ihre Freundin Franck davon zu überzeugen, dass Paulette nach Ihrer Genesung in ein Altenheim ziehen sollte. Paulette will zunächst davon nichts wissen und spricht nicht mehr mit Franck. Als sie endlich doch in das Heim zieht, fällt es ihr sehr schwer, sich dort zu integrieren und sie ist dort sehr unglücklich.
Philibert bemerkt eines Tages, dass das Mädchen, das zurückgezogen in der Dachkammer lebt, sehr krank aussieht. Die magersüchtige Camille ist künstlerisch sehr begabt. Ihr Vater lebt nicht mehr, wobei nicht klar wird, ob er Selbstmord begangen hat. Camille läuft mehrmals von ihrer psychisch kranken Mutter weg, wird aber von der Polizei zurückgeholt. Zuletzt verlässt das Mädchen sie in der Nacht vor ihrem 18. Geburtstag und beginnt an der Kunstakademie zu studieren.
Camille leidet unter den Vorwürfen ihrer Mutter, die auch schon den Vater mit mehreren Selbstmordversuchen unter Druck gesetzt hat. Für Camille ist jedes Treffen mit ihrer psychopathischen Mutter eine Quälerei. Aber auch ihr weiterer Lebensweg ist nicht einfach. Ihr drogensüchtiger Kunstlehrer und Geliebter verletzt das Mädchen mit einem Messer an der Schulter, als sie verhindern will, dass er sich neue Drogen beschafft und beitrügt Camille mit anderen Frauen an der Kunstakademie. Ihr nächster Freund stiftet sie an, Gemälde zu fälschen. Er verschwindet, nachdem der Betrug aufgedeckt wird.
Camille findet Unterstützung bei dem Kunsthändler Pierre Kessler und dessen Frau, die von ihrem künstlerischen Talent sehr beeindruckt sind. Sie bringen sie in der Dachkammer in dem Haus unter, in dem Philibert lebt. Camille findet einen Job als Putzfrau in einem Team, das nachts Büroräume reinigt und hängt die Malerei an den Nagel. Philibert sorgt sich um die junge Frau, als er realisiert, wie schlecht sie aussieht. Mitten in der Nacht nimmt er sich endlich ein Herz und klopft an ihre Tür. Als niemand öffnet, tritt er ein und findet Camille apathisch mit hohem Fieber auf einer Matratze in der ungeheizten Dachkammer. Er bringt sie in seine Wohnung, zieht sie aus, was ihm sehr, sehr peinlich berührt und reibt ihr Gesicht und Oberkörper ab.
Camille lehnt zunächst Philiberts Einladung ab, bei ihm zu wohnen, ab, als sie aber feststellt, als jemand während ihrer Abwesenheit die Dachkammer durchwühlt hat, entscheidet sie sich doch, nicht dorthin zurückzukehren. Frank tobt zunächst, als er erfährt, dass das Mädchen jetzt bei ihnen lebt. Er findet das Zusammenleben mit dem gebildeten Philibert schon kompliziert genug und versucht, Camille das Leben zu erschweren. Als der junge Koch in seinem Zimmer mit einem Mädchen sehr laut Musik hört, beschwert sich Camille. Frank aber missachtet ihren Wunsch, die Musik leiser zu hören. Camille wirft dann kurzerhand Franks Stereoanlage aus dem Zimmer. Ein paar Stunden später rächt sich Frank an Camille mit einer geräuschvollen Bettszene.
Philibert und Camille verstehen sich sehr gut, aber Camille und Frank haben anfangs große Schwierigkeiten, den richtigen Umgang und Verständnis füreinander zu entwickeln. Am Ende des Jahres überredet Frank Camille, dem Küchenpersonal seines Restaurants bei den Vorbereitungen für das Silvestermenü zu helfen. Camille lernt hier nun Frank von einer anderen Seite kennen und schuftet bis am frühen Morgen in der Großküche.
Später erzählt Frank Camille von seinem Freund Frédéric, der sein einzig wirklich guter Freund war. Frédéric ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, aber Frank hat noch immer einen sehr guten Kontakt zu dessen Eltern und besucht diese regelmäßig zur Schweineschlachtung, wobei seine Hilfe eigentlich nur ein Vorwand ist, sie zu besuchen. Camille und Frank kommen sich menschlich näher, als sie mehr voneinander erfahren. Die Eltern Frédérics glauben, die beiden seien ein Paar und stellen ihnen deshalb nur ein Bett zur Verfügung. Franck legt für Camille die Matratze auf den Boden und schläft auf dem Lattenrost. Wieder zurück in Philiberts Wohnung schläft Camille dann doch mit Franck.
Franck kocht für Camille, die Magersüchtige. Camille, die Nahrungsaufnahme bisher nur mit lieblos zubereiteten Gerichten ihrer Mutter in Verbindung bringt, beginnt Lust am Essen zu gewinnen. Jeden Tag findet sie so ein von Franck gekochtes Menü vor, das sie langsam wieder aufpäppelt. Mittlerweile lebt in der verlassenen Dachkammer ein Junkie namens Vincent, der die Drogensucht überwinden will. Camille kümmert sich um ihn. Als es ihm besser geht, steht er Camille Modell. Sie malt auch eine Afrikanerin, die mit ihr in der Putzkolonne arbeitet. Als Camille Francks Leid um die Großmutter im Altenheim erkennt, schlägt vor, die alte Dame in der Wohnung einzuquartieren. Sie kündigt ihren Job und kümmert sich ganz um Paulette und um ihre Malerei. Sie besorgt ihr einen Rollstuhl und integriert Paulette in ihr gemeinsames Leben.
Philibert beginnt unterdessen, Theater zu spielen. Er lernt dabei die etwas schrille und sehr unkonventionelle 24 jährige Suzy kennen, die er später heiratet. Als Ritter verkleidet tritt er auf die Bühne und erzählt während einer Striptease, bei der er sich bis auf die Unterhose entkleidet, seine Lebensgeschichte. Dann macht er Suzy öffentlich einen Heiratsantrag. Bei der Hochzeit trägt Suzy einen gelben Minirock. Das Paar zieht zusammen in Suzettes Zweizimmerwohnung, Philibert stottert nicht mehr. Camille und Franck haben sich noch immer nicht richtig zusammengerauft. Camille hat ein Verhältnis zu Franck, glaubt aber, sie sei nicht in Franck verliebt.
Camille richtet sich mit der alten Dame und Franck das leerstehende Häuschen Paulettes ein, kümmert sich um den verwilderten Garten und besucht mit Paulette Museen: Paulette erzählt Camille, sie habe ihren Ehemann ermordet. Wenig später, noch bevor das Haus renoviert ist, stirbt Pauline friedlich im Garten. Camille malt die tote Pauline. Sie spürt den Wunsch, die Bilder von Pauline öffentlich zu zeigen und auszustellen, um Pauline möglichst lebendig zu behalten. Camille findet Franck beim Packen und ist entsetzt. Er ist dabei, abzureisen und einen neuen Job in London anzutreten. Camille ist nun Besitzerin von Paulines Häuschen, denn die alte Frau hat es ihr vererbt. Erst als es Camille gelingt, Franck zu versichern, dass sie möchte, dass er bei ihr bleibt, ändert er seinen Plan in letzter Minute. Camille, die bislang sehr ärmlich lebte, besitzt in Wirklichkeit genügend Geld aus der Hinterlassenschaft ihres Vaters, um Franck zu unterstützen, ein eigenes Restaurant zu eröffnen.
Die Geschichte endet mit einem Happy End. Camille, Philibert und Mathilde, der Ex-Junky Vincent und Mamadou, die Kollegin, die Camille gemalt hat, sitzen in Francks neu eröffneten Restaurant. Camille, die sich endlich ihre Liebe zu Franck eingestehen kann, gesteht ihm, das sie sich ein Kind von ihm wünscht.
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